Die Geschichte des Liederkranz 1888 Belsen e.V.

Johannes Schlegel

(19.12.1859 - 21.01.1939)

Feuerwehrhauptmann in Belsen, genannt "Ober Ähne"
gründete im Herbst des Jahres 1888 den "Männergesangsverein Belsen"

Der Liederkranz 1888 Belsen entstand im Herbst 1888 als »Männergesangverein Belsen« aus einer Unterabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Belsen. Erster Vorstand war von 1888 bis 1908 der Feuerwehrhauptmann Johannes Schlegel, erster Chorleiter der Dorflehrer Kemmerle. Das erste eingeübte Lied war der Mozartchor »Brüder reicht die Hand zum Bunde«.
Der junge Verein, der anfänglich unter verschiedenen Schwierigkeiten (häufiger Dirigentenwechsel, wechselndes Übungslokal) zu kämpfen hatte, konnte sich konsolidieren und trat verschiedentlich an die Öffentlichkeit.
Dass dieses Engagement auch in der Dorfbevölkerung gewürdigt wurde, zeigte sich anlässlich der Fahnenweihe 1910 unter Vorstand Martin Flammer.
Den Entwurf für die Gestaltung der Fahne lieferte der damals noch nicht ganz 15jährige Michael Saur, der übrigens auch die Fahne der Chorgemeinschaft Mössingen entwarf. Die Kleidung des Jungen auf der Fahne diente später als Vorlage für die Mössinger Tracht. Michael Saur ist 1923 nach Brasilien ausgewandert.

Der nach Amerika ausgewanderte Michael Hofelich organisierte eine Kollekte unter den in Amerika lebenden Alt-Belsenern, die rund 100 US-Dollar erbrachte, ein Betrag, der zur Fahnenanschaffung voll ausreichte. Anlässlich der Fahnenweihe erhielt der Verein auch den noch heute gültigen Namen »Liederkranz 1888 Belsen«.
 

Mehrfach gelang es dem Liederkranz, sich bei Preissingen bei Liederfesten befreundeter oder benachbarter Vereine zu qualifizieren. So wurde am 5.6.1911 in Hechingen ein 2. Preis errungen und unter dem langjährigen Dirigenten (1912-1936) Erwin Schwaderer am 10. 5.1925 beim Steinlachgau-Sängerfest in Mössingen wiederum ein 2. Preis.

Während des 1. Weltkrieges ruhte von 1914-1919 der Singstundenbetrieb. Drei Sänger gehörten zu den Gefallenen, drei weitere waren nach Kriegsende noch in Gefangenschaft, darunter der Dirigent.

Trotz großer wirtschaftlicher und politischer Schwierigkeiten konnte der Liederkranz Belsen während der Zwischenkriegszeit kontinuierlich arbeiten und verschiedentlich an die Öffentlichkeit treten. Im Programm dieser Zeit ragen die Frühjahrsunterhaltungen, das 25-Jahr-Jubiläum des Steinlach-Gaus und die aufwendig organisierte 40-Jahr-Feier des Liederkranzes im Jahr 1928 hervor.

Die politischen Ereignisse der 30er Jahre beeinflussten anfänglich leider auch den Belsener Liederkranz, so dass es innerhalb weniger Jahre zum fünfmaligen Vorstandswechsel kam. Dennoch konnte sich der Gesangverein so weit konsolidieren, dass die 50-Jahr-Feier am 11.12.6.1938 unter dem Chorleiter Hugo Schellinger zu einem großen Erfolg in der Öffentlichkeit führte.

Der 2. Weltkrieg unterbrach erneut die Vereinsaktivität.
Sieben Sänger kehrten nicht mehr heim. Erst 1946 konnte der Probenbetrieb wieder aufgenommen werden, wobei Wilhelm Priester den noch in Gefangenschaft befindlichen Dirigenten Schellinger vertrat.

Die Nachkriegszeit führte dann zu einer kontinuierlichen Aufbauarbeit, die auch durch das Wachstum Belsens und den Wandel zu einem Stadtteil Mössingens im Anwachsen der Sängerzahl ihren Niederschlag fand. Bestand der Chor bis zur Mitte des Jahrhunderts durchschnittlich aus etwa 20 aktiven Sängern, so wuchs er auf heute ca. 55 Aktive an.
Bilder vom Chor

Saalkonzerte, Waldfeste, Beteiligungen an Kirchen- und Gemeindefeiern, Jahresabschlussabende gehörten nun zum Standardprogramm. Das Steinlach-Sängerfest 1954, die 75-Jahr-Feier im Jahr 1963 und das Steinlach-Sängertreffen in Belsen 1977 ragen heraus.
Unter den Konzerten sind aus jüngerer Zeit das Festkonzert zum 90jährigen Bestehen 1978, das Konzert  »Das Jahr im Lied« 1983 und das »Wunschkonzert« 1985 zu erwähnen. Letzteres führte zu einem bis dahin in der Gesamtstadt Mössingen noch nie erreichten Besucherrekord von über 1000 zahlenden Besuchern bei einer musikalischen Veranstaltung.

Das hundertjährige Bestehen des Liederkranzes wurde im Jahre 1988 mit einem großen Fest am 26. März gefeiert. Bei einem Festkonzert unter Mitwirkung des Liederkranzes Belsen, des Sängerbundes Unterhausen und des Salon-Orchesters "Les Papillons" aus Reutlingen wurde dem Liederkranz die Zelterplakette verliehen. Zum Jubiläum erschien eine bemerkenswerte Festschrift, die allerdings heute leider nicht mehr erhältlich ist.